Über den Autor
Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren, wuchs in den Südstaaten auf und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Als bedeutendster Nachwuchsautor seiner Generation gelobt, erhielt er 1946 für Miriam und 1948 für Schließ die Tür den wichtigen O. Henry-Preis. Andere Stimmen, andere Räume, das Romandebüt des gerade 23jährigen Capote, wurde eine literarische Sensation, spaltete die Kritik und wurde in den USA und Europa das meistdiskutierte Buch des Jahres. Sein zweiter Roman Die Grasharfe erntete schließlich das uneingeschränkte Lob der Kritiker, die Capotes Talent mit dem anderer Südstaatenautoren wie Carson McCullers und William Faulkner verglichen. Truman Capote starb am 25. August 1984 in Los Angeles.
Sommerdiebe
Vor ihr liegt ein Sommer, in dem sie einen ganzen Kontinent zwischen sich und ihrer Familie weiß: Während ihre Eltern nach Europa segeln, bleibt die 17-jährige Grady McNeil allein zurück in einem New York ohne Aircondition, aber vielen Versprechen.
Grady kann tun und lassen, was sie will. Und sie will eine Menge, bloss sich noch nicht in die reiche, feine Gesellschaft einfädeln, die sie nur müde macht. So verliebt sie
sich in Clyde, einen jüdischen Jungen aus Brooklyn, der, zurück aus dem Krieg, als Parkplatzwächter arbeitet. Es ist ihr egal, dass sich ihre Mutter, einen anderen Schwiegersohn erträumt – eine standesgemässe, sichere Partie. Doch ein komfortables, risikoloses Leben ist das Letzte, was Grady interessiert. Sie schwirrt durch diese heißen Monate mit Clyde und seinen Kumpels – erfüllt von einer Sehnsucht nach einer Welt mit lauter Unbekannten, wo nichts festgeschrieben ist und immer noch ein letztes Rätsel zu lösen bleibt.
Andere Stimmen, andere Räume
Nach dem Tod seiner Mutter soll der 13-jährige Joel Knox zu seinem Vater ziehen, für ihn ein völlig Unbekannter. Als er in Alabama auf dem Land ankommt, findet er auf dem riesigen, verfallenen Anwesen nur seine missmutige, spröde Stiefmutter Miss Amy und seinen verdorbenen Cousin Randolph vor, die wie Gespenster durch das geheimnisvolle Haus geistern – von seinem Vater fehlt weiterhin jede Spur.
Der Roman war, sagte Capote, sein »Versuch, Dämonen
auszutreiben«, sein eigener Vater blieb Zeit seines Lebens ein Phantom. Mit der Veröffentlichung der halluzinatorisch anmutenden Begegnung eines Jungen mit einer sonderbaren Erwachsenenwelt katapultierte sich der damals 24-jährige Truman Capote 1948 augenblicklich in die erste Schriftstellerliga – die Kritiker rühmten ihn als Ausnahmetalent und machten aus dem Umschlagfoto des mädchenhaft hübschen Debütanten, auf dem er in verführerischer Unschuld in die Kamera schaut, einen kleinen Skandal.
Baum der Nacht
Mit seinen Kurzgeschichten rührt Capote noch das unsentimentalste Herz. Er erzählt von verschiedensten Wegen, lieben zu lernen; beschreibt Verirrte und Verlassene, die zwischen Trotz und Traum straucheln; schafft es, Sonderlinge derart zu zeichnen, dass es unmöglich wird, nicht mit ihnen mitzufühlen. Seine Erzählungen verdanken ihren außergewöhnlichen Zauber vor allem einer Tatsache: Sie besitzen Seele.
Capote war gerade mal neunzehn, als er für die Short Story Miriam den renommierten »O. Henry-Award« erhielt.
Der Band enthält sechs unbekannte Erzählungen, die bisher nicht auf Deutsch erschienen sind: Die Wände sind kalt, Ein eigener Nerz, Der Stand der Dinge, Preachers überirdische Begegnung, Das Schnäppchen und Wüste.
Die Grasharfe
Eine Kleinstadt in den Südstaaten: Die erfinderische Dolly sammelt Kräuter, um aus ihnen Arznei zu brauen. Ihre herrschsüchtige Schwester Verena will daraus gegen Dollys Willen eine Goldgrube machen, und so flieht Dolly aus der Enge des Hauses in die Natur, wo sie nach dem Tantenstreit mit ihrer Freundin Catherine und ihrem Neffen Collin Quartier in einem Baumhaus bezieht. Doch Schwester und Bewohner des Ortes belagern ihr Idyll und versuchen, sie
zur Rückkehr in die Wirklichkeit zu zwingen. Es kommt zu einer regelrechten Schlacht, doch die Ausreißer harren in ihrem Refugium aus, bevor sie schließlich aus freien Stücken in die Welt zurückkehren.
Frühstück bei Tiffany
Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit unverschämtem Charme und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich durch zwischen Bohemiens, Playboys, Gins und Rosen und bleibt sich und ihrem Herzen dennoch immer treu. Und manchmal, wenn sie das »rote Grausen«, diese unbestimmte Furcht, packt, dann hilft ihr nur eins: schleunigst zum Juweliergeschäft Tiffany an der Fifth Avenue zu gehen.
Die Hunde Bellen
Die Reportagen, Porträts und Reiseskizzen eines Rastlosen – nie war Truman Capote so nah am Leben, an den Menschen und ihren Geheimnissen
Ob Haiti, Tanger, Italien oder Brooklyn, ob Marlon Brando, Humphrey Bogart oder Marilyn Monroe – mit Scharfsinn und freimütiger Neugier begegnet Truman Capote in diesem Buch den interessantesten Orten und Menschen. Dank seinem Gespür für seine Gesprächspartner und ihre Geschichten gelingt es ihm immer wieder, ihre verborgenen Seiten zu
enthüllen. Die Klassiker Kaltblütig, Frühstück bei Tiffany oder Andere Stimmen, andere Räume sind die Fixsterne in Capotes Werk, doch ebenso glanzvoll sind diese kurzen Prosatexte: Reportagen, Konversationsporträts, Reiseberichte, Stories. Sie enthalten alles, was den Schriftsteller Capote ausmacht – die Melancholie, die Beobachtungsgabe, perfekte Dialoge und eine glühende Liebe zum echten Leben. So bieten sie einen Querschnitt durch alle Schaffensperioden und zeigen die ganze Stilbreite Capotes.
Kaltblütig
Im November 1959 wird in Holcomb in Texas eine vierköpfige Farmerfamilie brutal ermordet. Wenige Wochen später werden die zwei ehemaligen Zuchthäusler Dick Hickock und Perry Smith geschnappt. Truman Capote erfährt aus der New York Times von dem Verbrechen und beschließt, am Tatort zu recherchieren. Er spricht mit Bekannten und Freunden der Familie, mit der Polizei. Schließlich erhält er Gelegenheit, mit den beiden Mördern zu reden. Mit der Zeit gelingt es
ihm, soviel Nähe zu ihnen herzustellen, dass sie ihm präzise Innenansichten ihrer Seele erlauben. Fast sechs Jahre nach ihrer Tat begleitet er sie bis an den Galgen.Capotes herausragende Rekonstruktion eines Mordes begründete ein neues literarisches Genre: die non-fiction novel, den Tatsachenroman. In einer atemberaubenden Sprache erzählt er, wie aus Menschen Mörder werden. Mit Kaltblütig landete Capote eine literarische Sensation und einen internationalen Bestseller.
Erhörte Gebete
Das Buch sollte sein Opus magnum werden, doch Capote konnte und wollte es nicht abschließen. Gleichwohl ist es sein vielleicht konsequentestes Werk, eine schonungslose Untersuchung der internationalen Jetset-Szene. Mit dem kühlen Blick des Chronisten beschreibt er die Reichen und Mächtigen, die Verrückten und Verruchten, all jene, die ihn jahrelang als ihr Schoßhündchen betrachtet hatten. Als erste Kapitel des Romans in Esquire abgedruckt wurden, erkannten sie, dass dieses Schoßhündchen auch zubeißen
konnte. Plötzlich waren ihre intimsten Geheimnisse, von Seitensprüngen bis zum vertuschten Mord, schwarz auf weiß nachzulesen. »Es ist sehr schwierig, Gentleman und Schriftsteller zu sein«, bemerkte einst Somerset Maugham. Truman Capote entschied sich schließlich für Letzteres. Und bescherte der Nachwelt mit diesem letzten Werk ein Stück große Literatur.
(Quelle: Website Kein & Aber Verlag)













