Über die Autorin
Eigentlich wollte Helen Garner Detektivin werden. Und auch wenn ihre Laufbahn eine andere Richtung einschlug, so zeichnet ihr Werk bis heute das Verlangen aus, Verborgenes, Seltsames oder Verblüffendes aufzudecken. Sie schreibt mit einer derart furiosen Liebe zur Wahrheit, dass sie in ihrer Heimat tief verehrt, aber auch gefürchtet ist.
1942 im australischen Geelong geboren, besuchte sie die Hermitage, eine Privatschule für Mädchen, studierte von 1961 bis 1965 an der Universität von Melbourne englische und französische Literatur und arbeitete anschließend als Lehrerin. Ihre Beamtenkarriere endete 1972 schlagartig, als sie mit ihren Schülern für den Geschmack der Zeit zu freizügig über Sex und Geschlechtlichkeit diskutierte, und vom Dienst suspendiert wurde. Es begann eine wilde Zeit: Sie schauspielerte, machte Filme und verdiente ihr Geld als Freiberuflerin. Sie heiratete, ließ sich scheiden, wurde Mutter und lebte in Wohngemeinschaften und Kommunen, unter Drogenabhängigen, Rockmusikern und Sozialhilfeempfänger.
In Australien gelten Garners Bücher als Klassiker der Gegenwartsliteratur. Children's Bach zählt für viele zu den besten Büchern, die je in englischer Sprache erschienen sind, für ihr Debüt Monkey Grip wird sie bis heute von der Melbourner Underground-Szene verehrt und seit The First Stone, einem kritischen Lang-Essay über eine sexuelle Belästigung an der Universität Melbourne, ist sie als scharfzüngige Beobachterin berüchtigt.
Mit Das Zimmer kehrte Helen Garner nach 15 Jahren erstmals wieder zum Roman zurück. Sie eroberte sofort die australische Bestsellerliste und wurde mit dem Victorian Premier's Literary Award for Fiction sowie dem Queensland Premier’s Literary Award for Fiction ausgezeichnet. Helen Garner zählt Down Under zu den absoluten Stars der Literaturszene. Umso mehr überrascht es, dass diese Autorin hierzulande noch ihrer Entdeckung harrt. Das Zimmer, mit seinen universell gültigen Themen Tod, Sterben und Sterbebegleitung, bietet beste Gelegenheit, diese Lücke zu schließen.
Helen Garner - Das Zimmer
Als sie ihre Freundin Nicola einlädt, für eine dreiwöchige Krebstherapie bei ihr zu wohnen, ist Helen nicht bewusst, was es bedeutet einen sterbenden Menschen zu begleiten. In einer glasklaren Sprache, getragen von liebevollem Humor, erzählt Helen Garner vom Ringen um das Leben, um eine Freundschaft und einen würdevollen Tod. Auf Wunderheilung hofft Nicola vergebens — es ist Helen Garner, die ein Wunder vollbringt: wir lesen eine tieftraurige Geschichte und fühlen uns bewegt, gestärkt, amüsiert und auf wundersame Weise versöhnt mit der gebrechlichen Einrichtung unserer Welt.
An alles hat Helen gedacht. Das Bett ist auf Nord-Süd-Achse gebracht, dem positiven Energiefluss des Planeten folgend. Die Bettwäsche ist von einem Rosa, das auch bleicher Haut schmeichelt, der alte Teppich mit den gefährlichen Fußangeln ist ausgetauscht, eine vegetarische Suppe köchelt auf dem Herd. Für drei Wochen will Nicola bei ihrer Freundin in Melbourne wohnen, um sich einer alternativen Krebstherapie zu unterziehen; das Zimmer steht bereit. Und doch trifft es Helen unvorbereitet — wie desolat Nicolas Zustand ist, wie kräftezehrend ihre Pflege, wie barbarisch die Bedingungen jener obskuren Therapie, wie wundergläubig ihre todkranke Freundin ist und vor allem, mit welch hilflosem, unbändigen Zorn sie selbst auf all dies reagiert. Mit entwaffnender Wahrhaftigkeit beschreibt Helen Garner eine Situation, wie sie unerträglicher nicht sein könnte. Doch sie setzt der hoffnungslosen Überforderung, die das Leben oftmals für den Menschen bereit hält, ein Maß an kluger Menschlichkeit und beherztem Witz entgegen, die Das Zimmer zu einer bewegenden und tröstlichen, auf wunderbare Weise heiteren Lektüre machen.
(Quelle: Website Berlin Verlag)





