wissen für junge

Titel:

Alles über Labyrinthe und Irrgärten

Autor:

Uwe Wolff

Fotograf:

Jürgen Hochmuth

Illustrationen:

Hauke Kock

Umfang:

96 Seiten, gebunden mit vierfarbigen Fotografien

Verlag:

Gabriel Verlag

Über den Autor
Uwe Wolff, geboren 1955, studierte Philosophie, Pädagogik, Germanistik und Theologie. Der Studiendirektor und Publizist lebt in Bad Salzdetfurth und wurde mit dem Thomas-Mann-Förderpreis ausgezeichnet.

Über den Fotografen
Jürgen Hohmuth hat als Junge das Fotografieren vom Vater gelernt und es später beim ostdeutschen Altmeister Arno Fischer auch studiert. Städtische Räume, Strukturen und Symbole reizen ihn in seiner Arbeit am meisten.

Alles über Labyrinthe und Irrgärten

Unterwegs mit Zeppelin und Kamera

Ein faszinierendes Kindersachbuch über die abenteuerlichen Expeditionen des Labyrinthfotografen Jürgen Hohmuth in alle Welt. Mit vielen spannenden Informationen über die Geschichte und die unterschiedlichen Bedeutungen dieses wichtigen Symbols und beeindruckenden Farbaufnahmen von historischen und modernen Labyrinthen und Irrgärten.

Leseprobe:

Der Labyrinthfotograf

Jürgen und sein Luftschiff

Das ist Jürgen. Jürgen Hohmuth ist Fotograf. Er fotografiert Labyrinthe. Und weil das aus der Vogelperspektive besser geht, hatte eine geniale Idee. Unter ein acht Meter langes Luftschiff montierte er einen Fotoapparat mit einer Mini-Videokamera. Wenn er jetzt den Zeppelin in die Luft steigen lässt, dann kann er wie ein Vogel auf die Erde blicken und aus dieser Perspektive Fotos machen. Jürgen ist der Mann mit dem Zeppelin. Er hat den Überblick.
Jürgen war nicht immer Fotograf. Zuerst lernte er den Beruf des Waldarbeiters. Als Zapfenpflücker kletterte er auf Tannen und Fichten, um Zapfen für die Baumaussaat zu pflücken. Noch heute kann Jürgen wie ein Affe klettern und jede Kokosnuss vom Baum holen. Doch steht neben den Labyrinthen selten ein Baum, auf den man klettern kann, um ein gutes Foto von der Anlage zu machen. So fotografierte Jürgen die Labyrinthe von einer acht Meter hohen Stehleiter aus. Dann kam er auf die Idee mit dem Zeppelin.
Auf der Suche nach Labyrinthen und Irrgärten hat Jürgen Europa und Indien bereist. In Schweden fotografierte er Labyrinthe aus Steinen, in Spanien und Italien Felsritzungen, Rasenlabyrinthe in England, Heckenirrgärten in Deutschland und Labyrinthmosaike in französischen Kirchen. Auf seinen Reisen begegnete er den unterschiedlichsten Menschen. Adelige und Arbeiter, Landwirte und Künstler: Sie alle hatten eines gemeinsam, sie waren begeistert von dem uralten Symbol, dessen Ursprung niemand kennt. Ja, die Forscher wissen noch nicht einmal, was das Wort „Labyrinth“ eigentlich bedeutet. Von Jürgens abenteuerlichen Reisen mit dem Zeppelin erzählt dieses Buch.



Luftschiff oder Zeppelin?

Wenn Jürgen mit dem Bulli irgendwo anhält und sein Luftschiff steigen lässt, dann ist er bald von Kindern umringt. Sie wollen natürlich alles über Luftschiffe wissen. Jürgen kann fast jede Frage beantworten. Zum Beispiel, warum Luftschiffe über der Erde schweben können. Alles, was schwerer ist als Luft, fällt zu Boden. Leichter als Luft ist das Edelgas Helium. Das Luftschiff schwebt, weil es mit diesem Gas gefüllt ist. Jürgen wird auch immer wieder gefragt, ob sein Zeppelin explodieren könne. Dann erklärt er: Die ersten Zeppeline wurden mit dem brennbaren Gas Wasserstoff gefüllt. Wie gefährlich der Flug mit einem Zeppelin war, zeigte die berühmte Brandkatastrophe vom 6. Mai 1937. Nach einer glücklichen Überquerung des Atlantiks explodierte die „Hindenburg“ bei der Landung. Der Zeppelinbau wurde eingestellt. Die meisten Luftschiffe, die heute noch benutzt werden, sind Prall-Luftschiffe. Sie werden mit Helium gefüllt. Helium ist geruchlos, unbrennbar und ungiftig. Wenn man es einatmet, sagt Jürgen, dann bekommt man eine Micky-Maus-Stimme.
Mit einem Luftschiff kann man die besten Fotos von einem Labyrinth machen. Denn selbst eine lange Leiter reicht manchmal nicht aus, um einen guten Überblick zu bekommen. Ein Flugzeug wiederum fliegt viel zu hoch über der Erde. Jürgens Zeppelin aber schwebt ruhig in der Luft. Außerdem lässt sich die Flughöhe genau bestimmen. Jürgens Zeppelin kann bis zu einhundert Metern steigen. In Frankreich brauchte Jürgen auch diese Höhe, um ein Maisfeld mit einem Irrgarten zu fotografieren. In Deutschland dürfen Zeppeline nur sechzig Meter hoch steigen. Die meisten Fotos hat Jürgen aus einer Höhe von vierzig bis fünfzig Metern gemacht.
Jürgens Zeppelin ist wie ein Luftballon mit Helium gefüllt. Weil dieses Edelgas sehr teuer ist, bleibt der Zeppelin immer aufgepumpt. Wenn Jürgen auf der Suche nach Labyrinthen kreuz und quer durch Europa fährt, dann wird der Zeppelin in einem Anhänger verstaut. Über 33000 Kilometer ist er gefahren. Damit der Zeppelin bei den Aufnahmen nicht abhebt, verankert ihn Jürgen an einem Kabel. Für das Kabel ist Majo Ertel zuständig. Er ist Jürgens Assistent und Zeppelinlenker. Die Kamera unter dem Zeppelin ist mit einem Bodenmonitor verbunden. So können Jürgen und Majo genau verfolgen, was auf dem Bild zu sehen sein wird. Mit Hilfe eines Joysticks können sie den Zeppelin steuern, über Hecken und Mauern sehen, über Flüsse und Seen schweben und in die verborgenen Innenhöfe von Schlössern blicken und so die Labyrinthe und Irrgärten aus der idealen Perspektive fotografieren.


Die Irrfahrten des Zeppelins

Zu Hause ist Jürgen Hohmuth in Berlin. Hier wohnt er in seinem Atelier. Wenn er mit dem Zeppelin unterwegs ist, führt er ein Zigeunerleben. Er schläft in seinem Bulli oder im Schlafsack unter dem Himmelszelt. Abends wird dann gegrillt oder es gibt ein heißes Süppchen. Seine Reisen sind ein richtiges Abenteuer. Nicht immer klappt alles reibungslos. Aber auch Umwege können spannend sein.
In Frankreich hatte sein Bulli einmal einen Motorschaden. Es war ein Feiertag und ein Ersatzfahrzeug gab es nicht. Bei einem Zirkuszelt fand Jürgen Hilfe. Er traf auf Hugues und Grit. Weil sie immer mit ihrem Zirkus unterwegs sind, können ihre Kinder Wallo und Aurel nicht in eine normale Schule gehen. Ihr Klassenraum ist ein dreißig Jahre alter Mercedes-Bus. Die Kinder haben ihm den Namen „Josefine“ gegeben. Nun zog „Josefine“ den Zeppelin zum nächsten Fototermin und die Schule fiel aus. Jürgen fotografierte einen großen Irrgarten aus Buchsbaum im Schlosspark von Villandry. Nach diesem kleinen Umweg ging die Reise mit dem Bulli weiter. Wallo und Aurel hatten ihr rollendes Klassenzimmer wieder.
Morgens und abends ist die beste Zeit für Aufnahmen. Das Licht, sagt Jürgen, ist zu diesen Tageszeiten am schönsten und es weht wenig Wind. Doch als er am frühen Morgen die Kathedrale von Amiens fotografieren möchte, ist es kalt. Das Gas in dem Zeppelin zieht sich bei Kälte zusammen und die Hülle droht schlaff zu werden. So muss neues Helium eingefüllt werden, bis der Zeppelin wieder prall ist. Bei der Fahrt über die Alpenpässe wiederum steigt der Gasdruck. Der Zeppelin droht zu platzen. Also müssen Jürgen und Majo viel Helium ablassen.
In Italien hatte der Bulli einen Unfall. Jürgen und Majo waren wie immer auf der Suche nach Labyrinthen. In einer Haarnadelkurve kam ihnen ein Sattelschlepper entgegen. Majo wich aus und fuhr zu dicht an die Randmauer. Der Bulli hatte einen Platten, die Felge war verbogen und das mitten im Gebirge. Nach achtzehn Stunden kam der Pannendienst mit einem Abschleppwagen. Doch war er viel zu klein, um den Hänger mit dem Zeppelin zu transportieren. Dieses Mal hatten sie keine Hilfe gefunden. Die Reise endete in einer Sackgasse.
Manchmal gleicht die Fahrt mit dem Zeppelin einem Irrgarten, manchmal einem Labyrinth. Kennst du den Unterschied? Auf der nächsten Seite kannst du ihn erfahren.

Wodurch unterscheiden sich Labyrinth und Irrgarten?

Im Irrgarten kann man in die Irre gehen.
Im Labyrinth dagegen kann man sich nicht verlaufen.
Das kannst du erkennen, wenn du den Bauplan von Labyrinth und Irrgarten vergleichst.
Im Irrgarten gibt es viele Wege und Wegkreuzungen. Man kann in einer Sackgasse landen.
Im Labyrinth gibt es nur einen Weg. Er führt auf verschlungenen Pfaden zu einem Mittelpunkt.
Wer im Irrgarten die Mitte erreicht, hat Glück gehabt. Im Labyrinth dagegen braucht man einfach nur die Wege abzulaufen.


Wo gibt es Labyrinthe und Irrgärten auf der Welt?

Der östliche und der westliche Weg des Labyrinths

Seit es Irrgärten und Labyrinthe gibt, werden sie verwechselt. Schon der bekannteste Irrgarten des Altertums wurde falsch bezeichnet. Man nannte ihn das Labyrinth von Kreta oder das kretische Labyrinth. Auf Kreta wurden auch viele Münzen mit der Abbildung von echten Labyrinthen mit sieben Umgängen gefunden. Das Wort „Umgang“ bezeichnet eine Umkreisung des Mittelpunktes im Labyrinth. Wenn der verschlungene Weg die Mitte insgesamt sieben Mal umkreist, dann sprechen die Forscher von einem Sieben-Gänge-Labyrinth. Ein kretisches Labyrinth hat immer sieben Umgänge.
Die kretischen Münzen stammen aus der Zeit von 431 bis 350 vor Christus. Sie befinden sich heute im British Museum in London und im Berliner Münzkabinett auf der Museumsinsel, wo sie Jürgen Hohmuth fotografiert hat. Von ihnen waren einst viele Tausend im Umlauf. Auch durch Münzen verbreitete sich das kretische Labyrinth in Richtung Osten und Westen über den gesamten Raum des Mittelmeeres bis an das Ende der damals bekannten Welt.
Gute Ideen und Gerüchte breiten sich schnell aus. Einer sagt sie dem anderen weiter. Heute weiß es dein Freund oder deine Freundin, morgen die ganze Klasse. Als die ersten Labyrinthe gebaut wurden, gab es noch kein Telefon, kein Fernsehen und kein Internet. Die wichtigsten Informanten waren Händler und Krieger. Sie fuhren in ferne Länder, um Waren einzukaufen oder neue Reiche zu erobern. Durch sie gelangte das Wissen über die Kunst des Labyrinthbaus nach Ägypten, Indien und auf die Inseln Java und Sumatra. Einige Forscher vermuten, dass auch Alexander der Große (356 – 323 vor Christus) die Kunst des Labyrinthbaus verbreitete. Der östliche Weg des Labyrinths endete jedenfalls in Nordamerika. Noch heute schmücken die Nachfahren der Ureinwohner von Amerika, die Indianer, Matten, Teller und Kleidungsstücke mit Labyrinthen.
Der westliche Weg führte von Kreta über die Mittelmeerländer Italien, Marokko, Algerien, Spanien in den Norden Europas bis nach Skandinavien und Russland. Selbst in den hohen Breitengraden am Eismeer wurden Labyrinthe errichtet. So zum Beispiel auf der großen Haseninsel im weißen Meer.

Ein Überblick

Mit seinem Zeppelin hat Jürgen Hohmuth viele Irrgärten und Labyrinthe in Europa besucht. In Deutschland zum Beispiel einen Irrgarten aus Strohballen in Delmenhorst, den Hecken-Irrgarten der Familie Frenzel in Kleinwelka, einen Irrgarten aus leeren Bierkisten am Olympiapark München und den Hanf-Irrgarten der Familie Jansen aus Horumersiel. In England schwebte der Zeppelin über dem Heckenirrgarten „Alice im Wunderland“, den der Besucher durch ein Kaninchenloch betritt. In Frankreich fotografierte Jürgen Hohmuth Fußboden-Labyrinthe in den großen Kirchen.
In diesem Buch findest du viele Labyrinthe und Irrgärten, darunter auch einige, die bisher noch nie festgehalten worden sind. Doch kommt die Forschung an kein Ende. Und auch ein erfahrener Labyrinthfotograf hat noch lange nicht alle Labyrinthe gesehen und fotografiert. Besonders gerne würde Jürgen Hohmuth einmal mit dem Zeppelin nach Russland reisen, um die Labyrinthe auf der geheimnisvollen Haseninsel zu fotografieren.


Das sagt die Presse ...

SPIEGEL special zur Frankfurter Buchmesse 2006 stellt Klemens Kindermann die 10 besten Kinder- und Jugendbücher des Herbstes vor:

"Uwe Wolffs und Jürgen Hohmuths Reise zu den Labyrinthen und Irrgärten dieser Welt hat es in dieser Form noch nicht gegeben. (...) Herausgekommen ist eine ganz und gar unerwartete Nahperspektive von Labyrinthen und Irrgärten. (..) Eines ist sicher: Wer sich durch dieses lehrreiche, ingeniös fotografierte Buch hindurchgefunden hat, kennt endlich den Unterschied zwischen einem Labyrinth und einem Irrgarten. Sie auch?"

"Weiterlesen!" Mittelbadische Presse

(Quelle Website Der Audio Verlag)

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